46. Mitgliederinformation

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Liebe Vereinsmitglieder, liebe sonstige Vereinsförderer,

das neue Jahr hat es bewiesen, es gibt doch noch einen Winter hier bei uns in Europa. Das hatten wir gar nicht mehr erwartet, als wir am 31.01.2018 in den Flieger nach Sri Lanka stiegen. In Sri Lanka angekommen mit Temperaturen um die 30 Grad hörten wir dann von Kälte und Schnee in der Heimat. Bei unserer Rückkehr am 02.03.2018 hatten wir das Vergnügen bei 30 Grad am Morgen zu starten und bei -8 Grad in Hamburg am Airport empfangen zu werden. Dies ist allerdings nicht der einzige Unterschied des Lebens in Sri Lanka zu unserer Heimat. Dazu im Folgenden mehr. Gerade aktuell hören wir in den Medien von Unruhen in Sri Lanka und dass der Notstand ausgerufen wurde. Ursache sind Auseinandersetzungen zwischen radikalen Buddhisten und Muslimen. Der Auslöser ein gewöhnlicher Unfall. Leider ruft dies Befürchtungen an die vergangene Bürgerkriegszeit wach. Während unserer Anwesenheit waren Kommunalwahlen im ganzen Land. Dabei hat die stark buddhistisch-nationalistische Partei, unterstützt vom früheren Staatspräsidenten Mahinda Rajapaksa, eine 2/3 Mehrheit gewonnen. Das entspricht in etwa auch dem Anteil der Buddhisten im Lande. Nationalistische Tendenzen kennen wir ja leider auch in Europa und den USA. Es gilt abzuwarten, wie sich das Land bis zu unserem nächsten Besuch 2019 entwickelt. Wir hoffen auf Demokratie!

Vorweg ein paar allgemeine Informationen. Wir waren in diesem Jahr eine Reisegruppe von insgesamt 13 Personen. Eine Gruppe bestehend aus Sri Lanka Neulingen und Wiederholern. Es gab eine Vorgruppe von 6 Personen mit umfangreichem Programm und dann die Nachgereisten mit kleinerem Programm. Für alle war es nach meinem Eindruck sehr eindrucksvoll bis bewegend. Viele neue Erfahrungen bei unserer Reise in den Norden und Osten der Insel, aber auch in Bezug auf unsere laufenden Vorhaben. In diesem Jahr auch besonders viele erfolgreiche neue Projekte. Ich beschränke mich bei der Berichterstattung überwiegend auf den Bezug zu unseren Projekten. Allgemeine Reiseimpressionen soll es aber auf der terminierten Mitgliederversammlung geben. Auch unsere laufende Berichterstattung während der Reise im Facebook wurde gut angenommen. Wir haben dabei im freien Internet persönliche Bilder unserer „Rosenkinder“ grundsätzlich vermieden. Die gibt es heute für unseren Leserkreis und noch mehr am 6. Mai 2018 – 17:00 Uhr auf unserer 12. Mitgliederversammlung. Die Einladung folgt in Kürze. Schon mal den Termin sichern!!!

Stand der „Rosenkinder“ Projekte im Bezug mit unserer diesjährigen Sri Lanka Reise:

1. Überblick:

Es bleibt dabei, unser Projekt der „Rosenkinder“ Patenschaften ist stets ein Höhepunkt bzw. bietet viele Höhepunkte bei unseren Reisen. Die regelmäßigen Treffen in Kotapola in diesem Jahr mit 30 Patenkindern und im Briefgarden mit 20 Patenkindern sind sehr eindrucksvoll. Allerdings sind die Besuche von neuen Patenschaften im häuslichen Umfeld mental gesehen durchaus eine Herausforderung. Wie sagte ein Mitreisender in diesem Jahr so treffend: „Wir fahren mit dem „amerikanischen“ JEEP vor und treffen auf eine Familie bzw. eine persönliche Situation, in einer ganz anderen Welt.“ Dank unserer Helfer Chandani und Dooland vom Lions Club Aluthgama/Bentota wurde alles mit Bravour gemeistert.
Unsere beiden Projekte in Zusammenarbeit mit dem All Ceylon Buddhist Congress (ACBC) hatten zuletzt ein wenig unter mangelhafter Kommunikation mit der Führung gelitten. Das war ärgerlich, aber nicht substanziell. Dies kann sich mit dem neuen Jahr jetzt ändern. Grund: Es gibt einen neuen bzw. wieder den geschätzten alten ACBC Präsidenten – Jagath Sumathipala – und einen wirklich neuen Präsidenten für den Bereich der Children Homes – Sanath Ruberu. Die Kommunikation und das Verständnis für unsere Arbeit liefen im Gespräch vor Ort sehr gut an. Auch die Situation im Anula Wijerama Children Home in Balapitiya wurde während unseres Aufenthalts neu geordnet und dabei gemeinsame Perspektiven entwickelt. Die Situation im Rosenkinder Hostel in Panadura ist stabil bzw. weiter in einer positiven Fortentwicklung.
Und dann gab es die neuen Projekte. Die Erfahrungen mit diesen Vorhaben waren verbunden mit viel Freude bei großer mentaler Herausforderung. Da war zuerst einmal die von uns finanzierte neu eingerichtete Tagesschulklasse für geistig und körperliche behinderte Kinder/Jugendliche auf dem Gelände der Camilla School in Mattegoda/Colombo. Dann der Besuch in der Ampakamam Grundschule im ehemaligen Bürgerkriegsgebiet im Norden von Sri Lanka. Die Sri Gunarathana Maha Vidyalaya Grundschule im weit abseits gelegenen Weihena – Mathahaka war ein weiterer Höhepunkt. Die offizielle Einweihung der von uns finanzierten Bibliothek in Kalawila, verbunden mit einem eindrucksvollen Sportfest nicht zu vergessen. Alles in allem ein volles und erfolgreiches Programm neuer und zuvor etablierter Projekte. Hier nun weiter im Detail:

1. 1. Laufendes Projekt „Rosenkinder“ Patenschaften in Zusammenarbeit mit dem Lions Club Aluthgama/Bentota

Wir werden voraussichtlich auch im Jahr 2018 rund 60 Kinder/Jugendliche mit einer Patenschaft unterstützen. Diese über die Jahre erreichte Anzahl haben wir vorläufig mit unseren Helfern in Sri Lanka festgeschrieben. Grund dafür ist, dass mit ehrenamtlicher Arbeit ansonsten die Kommunikation und Kontrolle im Sinne unserer erfolgreichen Grundsätze nicht mehr gewährleistet wäre. Auch haben wir uns entschlossen, zukünftig grundsätzlich nur noch Kinder im Alter ab 10 Jahren in unsere Förderung zu nehmen. Dann kann man auf eine gesicherte schulische Entwicklung setzen. Ausnahmen gelten für akute kritische Notsituation – da werden wir auch weiter Jüngeren oder Familien helfen.
Ein Höhepunkt der Reise war wieder das Treffen in Kotapola am 11.01.2018 mit eingeladenen 30 Patenkindern der Region. Der äußere Rahmen bei dem Mönch Dr. Kirinde in seinem buddhistischen Tempel, dabei die professionelle Organisation, ist immer ein herausragendes Erlebnis. Am Schluss gab es wieder ein gemeinsames Lunch, den obligatorischen Besuch des Felsentempels und natürlich das sogenannte Glücksbändchen für die rechte Hand, welches wir dann als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Im Mittelpunkt standen die Begegnungen mit den Kindern. Besonders möchte ich 3 Schicksale exemplarisch darstellen. Da ist erst einmal die 21jährige Prasangika Chathurani, die wir seit 2009 fördern. Sie kommt aus einer Teepflückerfamilie (Familieneinkommen pro Tag rund 3 Euro). Die Mutter hat es geschafft aus allen ihren drei Kindern etwas zu machen. Die ältere Schwester studiert bereits und auch der jüngere Bruder geht auf eine weiterführende Schule. Studieren wird unsere Prasangika jetzt auch und zwar auch noch ihr Lieblingsfach Medizin. Im zulässigen 3. Versuch für das a-level hat sie mit 3x Note A die Zulassung für die Medizin-Universität in Galle erhalten. Großartig!

Unsere Patenkind Nishani Udeshika wird sogar bereits seit 2007 gefördert und hat im letzten Jahr ihre ersten a-level Prüfungen gehabt. Noch reichen die Ergebnisse nicht aus, um ihren Studienwunsch Medizin zu erfüllen. Im August 2018 hat sie ihren 2. Versuch.
Das Geschwisterpaar Shanuka (20 Jahre) und Pumuditha Sandeep (23 Jahre) kommt ebenfalls aus einer sehr armen Familie. Der Vater sorgt als Wanderarbeiter für den Familienunterhalt. Die Mutter ist chronisch krank. Beide Jungen werden seit 2009 gefördert, wobei die Förderung von Pumuditha aktuell leider ruht. Dieser hat zwar ein erfolgreiches a-level absolviert, konnte wegen einer schweren Augenerkrankung sein Studium jedoch nicht aufnehmen. Die Kosten für die Operation des ersten Auges wurde durch eine Familiensammlung finanziert. Die Kosten für die 2. OP haben wir spontan übernommen (rund 400 Euro). Auf staatliche Gesundheitsfürsorge kann man in Sri Lanka leider lange warten. Schließlich möchten wir, dass unsere lange geförderten Rosenkinder ihre schulische Entwicklung fortsetzen können. Die OP erfolgte bereits keine zwei Wochen später. Ein langer Dankesbrief in „Singhalesisch“ liegt uns vor. Der kleine Bruder Shanuka wird seinen 2. a-level Versuch im August 2018 haben. Wir wollen die beiden Jungs weiter in unserer Förderung halten.

Am 24.01.18 war dann das Treffen im idyllisch gelegenen Briefgarden aus der Region von unserem Helfer Dooland de Silva. 20 Kinder mit Eltern waren vor Ort. Leider merkt man schon ein wenig den Unterschied zu Kotapola, einer Region weit abseits der Touristengebiete. Hier ist es nur eine halbe Stunde mit dem Tuk-Tuk zu den Traumständen des Tourismus. Wir sind aber zufrieden, dass auch hier Fortschritte unserer Förderung festzustellen sind. Besonders hat uns die Entwicklung der Familie von Roshini bewegt bzw. stolz gemacht. Die „alten“ Mitglieder erinnern sich vielleicht an die Familiensituation mit dem Tod des Vaters 14 Tage vor Geburt des dritten Kindes. Dies ist inzwischen schon 8 Jahre her. Spontan hatten wir die Familie finanziell pauschal unterstützt. Die heute 15jährige Dilini haben wir seit 2013 und den kleinen Samindu (12 Jahre) seit 2015 in die individuelle Förderung überführt. Beide Kinder machen eine sehr gute schulische Entwicklung. Wir kennen die generellen Lebensumstände in einer Armensiedlung hinter dem Tempel von Mullapitiya. Freude darüber!

Ein weitaus tragischerer Fall ist die Situation von der 11jährigen Ilandari Devage. Sie haben wir Zuhause besucht. Die Mutter ist verstorben. Sie hatte in Arabien gearbeitet und das Geld immer dem Vater für die Familie geschickt. Als sie allerdings bei einem Besuch feststellte, dass dieser dies stattdessen „versoffen“ hatte und die Kinder unterversorgt waren, hat sie sich das Leben genommen. Der Vater ist daraufhin geflüchtet und hat die Kinder zurückgelassen. Ilandari hat eine 18jährige ältere Schwester und einen kleinen Bruder von 6 Jahren. Die ältere Schwester sorgt für den Familienunterhalt. Alle leben jetzt in einem kleinen Haus bei der Großmutter ohne Strom, Wasser und Sanitär. Das waren unsere Vorinformationen, als wir uns mit unserem JEEP und Dooland auf den Weg machten, die Familie zu besuchen. Wir fanden eine aufgeweckte, engagierte Großmutter (59) und zwei großartige Kinder vor. Vermutet man nie bei einer derart tragischen Geschichte. Ansonsten ist alles so arm wie beschrieben. Ein Leben mitten in den Zimtwäldern weit abseits der Zivilisation. Wir hatten damals natürlich sofort unsere Hilfe zugesagt und wollen perspektivisch auch den kleinen Bruder Shenuka fördern. Eine schreckliche Geschichte, jetzt erlebt in der Realität. Aber leider in Sri Lanka kein Einzelfall. Die 11jährige Ilandari und der 7jährige Bruder Shanuka überraschten uns mit ihrer freundlichen und ungewöhnlich aufgeschlossenen Art. Wir sind sehr stolz über unsere Hilfe speziell in diesem Fall!

1.2. Laufendes Projekt Förderunterricht im Anula Wijerama Children Home in Balapitiya in Zusammenarbeit mit dem All Ceylon Buddhist Congress (ACBC)

Die meist gefragten Sätze der Mädchen und einiger Verantwortlicher in unserem Children Home in Balapitiya bei unseren Besuchen waren: Wie geht es Petra? + Wann kommt sie zurück? Wir konnten beruhigen, dass nach aktueller Planung Petra Gerlings Ende April wieder nach Sri Lanka zu ihren Mädchen reist.

Bevor wir unsere Mädchen in Balapitiya offiziell besuchen, ist es üblich mit den Verantwortlichen dort Vorgespräche zu führen. Das Komitee oder Nilani die Leiterin des Children Home haben Ideen und sollen über das Projekt berichten. Wir bringen auch Ideen bzw. Anregungen mit. Im Mittelpunkt standen für uns die Kommunikation und die Zukunftsperspektiven der Mädchen zu verbessern. Wir erfuhren, dass aktuell nur 20 Mädchen im Heim sind. Viele ältere Mädchen hatten das Heim verlassen. Aktuell machten 5 Mädchen ein Training in einer Edelsteinschleiferei. Für uns kein schöner Job. Wir kündigten einen Gegenvorschlag an. Dann vereinbarten wir, dass zukünftig in die Kommunikation zwischen mir und dem Komitee noch die gut Englisch sprechende Homework-Lehrerin einzubeziehen ist. Seitens des Chairmans wurde eine Veränderung des Stundenplans angesprochen. Es wurde ein neuer Lehrer für die Fächer „Art“ vorgeschlagen. Dahinter stecken die musischen Fächer, aber auch die Muttersprache und Buddhismus. Eine wichtige Verbesserung im Hinblick auf die o- oder a-level Prüfungen. Wir schlugen vor, den vorgesehenen Lehrer für unser nächstes Treffen einzuladen. Dann besprachen wir noch mit der Leiterin des Hauses den Stand und den Fortschritt der ayurvedischen Hautbehandlung für die beiden misshandelten Mädchen. Dazu zeigte sie uns ihre monatliche Buchführung. Wir stellten für den nächsten Besuch eine Wiederauffüllung des Budgets in Aussicht. Viel eindrucksvoller war aber der persönliche Kontakt mit den beiden betroffenen Mädchen Supumali und Chaja. Ein Wiedersehen nach einem Jahr mit deutlich zu erkennende Verbesserung der Haut und Seele. Ansonsten beglückten wir alle Kinder mit ihrem Lieblings-Mango-Eis und es blieb genügend Zeit für den persönlichen Kontakt mit allen anwesenden Mädchen.

Am nächsten Tag stand das Treffen mit den Verantwortlichen bzw. neuen Verantwortlichen in der ACBC Zentrale in Colombo auf dem Programm. Wir waren offiziell geladen vom ACBC zu einer „Kulturschau“ und danach einem Gespräch zum Stand unserer Projekte. Mit uns war Indaka de Silva gekommen. Er ist General Manager von der Barberyn Group und Vorstandsmitglied der Vereinigung aller Hotels an der Westküste und nebenbei noch der diesjährige Präsident unseres Lions Club und ein guter Freund. Insofern war es nicht schwer, ihn davon zu begeistern, die Mädchen aus den Kinderheimen vielleicht in der Hotelbranche auszubilden. In der Tat werden in diesem Bereich auch aufgrund des ständig steigenden Tourismus dringend Nachwuchskräfte gesucht. Die gesamte Organisation, das Training und die Unterbringung sowie die Vermittlung auf Arbeitsplätze würde durch diese Organisation sichergestellt werden. Indika war beim Treffen dabei, um den Verantwortlichen in Colombo diese Idee vorzustellen.
Zuvor hatten wir aber die Kulturschau im gefüllten Festsaal von ACBC zu überstehen. Die gesamte ACBC Führungsspitze auf der Bühne und 6 Mönche. Die Veranstaltung stellte sich dann als 150. Geburtstag des Gründers von ACBC, Mr. D.B. Jayatilake, heraus. Wir waren Ehrengäste mit reservierten Plätzen. Fast 2 Stunden lauschten wir dann dem Kulturprogramm, das hauptsächlich aus Reden in der Landessprache und einer kleinen Gesangseinlage bestand. Puh, ganz schön anstrengend. Dann hörten wir plötzlich den Namen Rosenkinder und wurden auf die Bühne gebeten. Ein für uns überraschender Ehrenpreis für 10 Jahre Arbeit im Anula Wijerama Children Home in Balapitiya war der Grund. Der Preis war ein silberner Elefant mit Halbedelsteinen. Umringt waren wir in diesem Augenblick nicht nur von der Führung von ACBC, sondern auch einer Heerschar von Reportern und Fernsehteams. Danach wurden wir in den Konferenzraum von ACBC geführt. Da gab es dann erst mal Tee und landestypische Köstlichkeiten zur Beruhigung. Dann traf nach Ende der Kulturschau der ACBC Präsident Jagath Sumathipala, der neue Präsidenten für den Bereich der Children Homes Sanath Ruberu und auch der für unser Hostel zuständige Präsident Karunadasa Gamage ein. Im Schlepptau weitere Verantwortliche. Wir bedankten uns zuerst für die Auszeichnung und stellten dann den Stand unserer Projekte aus unserer Sicht da. Kleine Meckereien über Kommunikationsdefizite und fehlende Berichte wurden gleich aufgenommen. Dann war es an Indaka de Silva unser neues Konzept einer beruflichen Ausbildung der Mädchen in Balapitiya in der regionalen Hotelbranche vorzustellen. Dies wurde sehr positiv aufgenommen und auch gleich die Chance gesehen, das Modell auf andere Heime von ACBC auszuweiten. Zunächst sollte aber ein Probebetrieb in Balapitiya gestartet werden. Wir bekamen die erhoffte positive Unterstützung für ein jetzt notwendiges anschließendes Gespräch mit dem Komitee in Balapitya mit. Der Abend klang dann im firmeneigenen Restaurant von Jagath Sumathipala in großer Runde und vielen netten Gesprächen auch abseits des Projektgeschehens aus.

Jetzt konnte der abschließende Besuch in Balapitiya erfolgen. Zuvor stand aber noch das übliche Einkaufen der Neujahrskleidung für die 20 Mädels auf dem Programm. Jährlich ein großer Auflauf mit einigen unserer Mitreisenden, der Leiterin des Children Home und ein paar älteren Mädchen als Hilfe. Auch ein Fest für das das Personal von ASB Fashion Shop in Ambalangoda und ein Manager, mit dem um Prozente zu ringen war. Die Festkleidung sollten die Mädels dann nach einem kleinen offiziellen Programm bei unserem Besuch erhalten. Kleines Programm hatten wir uns gewünscht, um mehr Zeit für den persönlichen Kontakt zu haben. Ohne das offizielle Abholen am Tor mit Musik, kleinen Begrüßungsgeschenken und dem obligatorischen Tee mit kleinen Köstlichkeiten ging es aber nicht. Für mich standen dann auch das offizielle Gespräch mit dem Komitee, die Vorstellung des neuen Lehrers und insbesondere das Vorstellen unseres neuen Ausbildungsplans in der Hotelbranche auf dem Programm. Wir hatten wieder Indika de Silva dabei und den Rückenwind von ACBC in Colombo. Das Gespräch wurde dann in der Landessprache geführt, weil alles verstanden werden sollte und ich verstand halt nichts! Alles Verstehen stand im Vordergrund. Wir waren mit Indika bestens abgestimmt. Ich verfolgte das Mienenspiel der Beteiligten. Das sah positiv aus und es kamen auch Fragen. Insofern war erst einmal dieser Schritt in der Theorie getan. Der Schritt der Umsetzung soll dann zwischen Indika de Silva und dem Chairman Sarath Upali in gemeinsamer Sache erfolgen. Positiv ist, dass sich die beiden persönlich kennen und scheinbar auch wertschätzen. Ich schaute dann nach unserer Mitgliederdelegation. Die hatte sich mit allen anwesenden Mädchen in einem kleinen Klassenzimmer versammelt und alle hatten viel Spaß. Mädchen auf dem Schoß, gemeinsam Iphone Videos schauen und viele Selfies damit machen. Also Hochstimmung und der gewünschte persönliche Kontakt. Wir mussten dann aber gehen und hörten das so beliebte und gern gehörte „come again“. Das haben wir bisher immer eingehalten.

1.3. „Rosenkinder Hostel“ beim Vocational Trainingscenter Panadura in Zusammenarbeit mit dem All Ceylon Buddhist Congress (ACBC)

Unser Rosenkinder Hostel in Panadura hat seit seiner Eröffnung vor 4 Jahren schon viele junge Waisenmädchen zu einer Qualifizierung und einer entsprechenden Beschäftigung geführt. Im letzten Jahr wurde dann die Anzahl der Ausbildungsplätze von 6 bzw. 8 auf 10 Mädchen erhöht. Vergessen ist die Zeit, dass ein paar Mädchen ihre Freiheit genutzt haben und aus dem Hostel geflüchtet sind. Die neue Aufsichtsdame passt jetzt besser auf. Offen ist noch die im letzten Jahr angeregte Aufstellung eines Computers. Wir kamen mit den Verantwortlichen vom Komitee in Panadura überein, dass für Bedienung und Unterweisung auch ein Computerlehrer gesucht werden sollte. Auch erscheint uns ein zusätzlicher Englisch-Unterricht für eine bessere Qualifizierung der Mädchen nach Verlassen der Waisenhäuser bzw. unseres Hostels sinnvoll. Zeit hierfür ist in den Abendstunden bzw. am Samstag/Sonntag, wenn im Vocational Trainingscenter die Ausbildung ruht, genügend da. Man versprach uns einen Kostenvoranschlag nachzuschicken. Im Mittelpunkt stand allerdings das Kennenlernen der aktuell 10 von uns geförderten Mädchen:

  • W.D. Toshiba Kumari – 17 Jahre – ACBC Children Home Kegalle
  • W.D. Champika – 18 Jahre – ACBC Children Home Kegalle
  • Piyumi Apsara – 17 Jahre – staatliches Children Home Rajagiriya
  • A.D.H. Jayamini Priyadharshani – 17 Jahre – staatliches Children Home Rajagiriya
  • Dilini Chamodya Wickramaratne – 17 Jahre – staatliches Children Home Rajagiriya
  • M.P.S. Nadeeka Perera – 18 Jahre – ACBC Children Home Biyagama
  • Saduni Nissansala Sandamali – 17 Jahre – staatliches Children Home Gampaha
  • Achini Uthpala Jayasinge – 17 Jahre – staatliches Children Home Eweliyagoda
  • Sananam Vinodani – 17 Jahre – Gokulam Children Home Colombo
  • M. Sarpka – 17 Jahre – Gokulam Children Home Colombo

Wir trafen 9 von diesen Mädchen. Eines der Mädchen hatte an dem Tag ein Praktikum in einem Beauty Salon. Das ist sehr positiv, denn vor einem Jahr war die Ausbildung noch beschränkt auf Schneidern und Qualitätskontrolle Schneidern. Das Ausbildungsfeld Beauty und Friseur war wegen des notwendigen Betriebspraktikums damals nicht möglich. Wir fanden das schade, weil erstens das Berufsbild bei Mädchen beliebt ist und zweitens auch sehr zukunftsträchtig in Sri Lanka. Die Regeln wurden im Nachgang geändert. Noch mehr freuten wir uns darüber zu erfahren, dass vom 2. Ausbildungsdurchgang 2017 alle 6 von uns finanzierten Mädchen in eine Arbeitsstelle vermittelt wurden. Vier der Mädchen arbeiten jetzt in einem staatlichen Textilbetrieb, der für Englische Labels arbeitet. Zwei Mädchen fanden eine Anstellung in einem örtlichen Beauty Salon. Es gab für uns den obligatorischen Tee mit Beilage, für die Mädchen die von uns vorbereiteten Geschenke. Zum Abschied mussten wir versprechen, im nächsten Jahr am Nachmittag oder besser am Wochenende zu kommen um gemeinsam ein Fest zu feiern.

2. Die neuen Projekte

2.1. Camilla School in Mattegoda

Die „Rosenkinder“ sind ja bekanntlich schon fast ein Dutzend Jahre in Sri Lanka in der Bildungsförderung unterwegs. Im letzten Jahr hatten wir während unseres Aufenthalts Kontakt zu 2 Familiensituationen mit geistig und körperlich behinderten Kindern. Keine, oder nur unzureichende staatliche Unterstützung, bzw. nur sehr weit entfernte stationäre Einrichtungen. Wir meldeten daher bei unseren Helfern vom Lions Club Aluthgama/Bentota unsere Idee an, dass wir grundsätzlich auch in diesem Bereich helfen könnten. Im Herbst des letzten Jahres hörten wir dann von unserer Lions Club Helferin Chandani, dass der Lions Club District Sri Lanka Westküste eine Behinderten Einrichtung namens Camilla School unterstützt und dies im Jahre 2018 intensivieren wollte. So stand die Einrichtung einer sogenannten Day School Class auf dem Plan. Spontan boten wir unsere Hilfe an, denn diese neue „Day-School“ sollte schon zum 1. Januar 2018 in Betrieb gehen. Schnell wurde ein Beschluss gefasst und von uns das notwendige Geld überwiesen. Die erfolgte Umsetzung geschah in einer für Sri Lanka sensationellen Geschwindigkeit. Insofern stand natürlich der Besuch in der Camilla School auch auf unserem diesjährigen Programm. Am 04.02.2018 wurden wir als Ehrengäste nach Mattegoda geladen, ein Außenbezirk von Colombo. Dort fanden wir einen großen Menschenauflauf vor, mit vielen Offiziellen, insbesondere aus der Sozialpolitik und vom Lions Club. Nach einer Begrüßung wurden wir zu dem von uns finanzierten Klassenraum geführt. Eine Ehrentafel – mit uns als Spender – wurde enthüllt und wir nahmen mit vielen weiteren Offiziellen auf den Schulbänken Platz. Es waren aber keine der sonst 16 Tagesschüler da, denn es war Feiertag in Sri Lanka – Unabhängigkeitstag. Allerdings nahmen neben den Offiziellen, die Lehrer und sonstigen Betreuer Platz im Klassenraum. Diese erzählten stolz vom Betrieb und den glücklichen Kindern und deren Eltern und dass dieses Vorhaben auf die Betreuung von bis zu 60 behinderten Schülern ausgebaut werden solle. Danach ging es dann in den schuleigenen Veranstaltungsraum.

Dort erlebten wir ein großes Showprogramm mit nur wenigen offiziellen Reden. Gestaltet bzw. durchgeführt von den 60 behinderten Klienten in der Camilla School, die richtigerweise ein Heim für geistig und körperlich behinderte Jugendliche und junge Erwachsene ist. Es war nicht nur eindrucksvoll, sondern überwältigend mit welcher Freude hier gesungen, getanzt und Theater gespielt wurde. Am Ende der Veranstaltung bekamen die 60 Betreuten und die bestimmt 20 Betreuer und Pädagogen der Einrichtung ein Geschenk. Ein wirklich ordentlicher Betreuungsschlüssel. Wir bekamen übrigens auch noch eine Auszeichnung für unser Engagement. Dann war die Veranstaltung zu Ende und wir machten mit Chandani und der Verwaltungschefin noch einen Rundgang über das Gelände. Der überaus positive Eindruck setzte sich fort. 10 kleine Bungalows für jeweils 6 bis 8 teilweise Schwerstbehinderte und jeweils eine Bungalowbetreuerin. Alles super sauber und sehr idyllisch gelegen. Wir verabschiedeten uns mit dem Hinweis, dass wir bei Bedarf für den weiteren Ausbau der Tagesschule gerne angesprochen werden könnten.

2.2. Bibliothek in der Kalawila Grundschule

Unser Lions Club Helfer Dooland de Silva lebt im Briefgarden. Der Briefgarden liegt im Einzugsgebiet von Kalawila, einem kleinen Dorf abseits der Küste mit 310 Schülern und 17 Lehrern. Hier gibt es eine einfache Schule mit diversen Klassenräumen, aber ohne eine Bibliothek. Eine Anfrage, das notwendige Geld zur Verfügung zu stellen, wurde von uns positiv beantwortet und erneut in rekordverdächtiger Geschwindigkeit eine Bibliothek erstellt. Abgetrennt von einem Klassenraum und mit direktem Zugang zum Büro der Schulleitung. Das kannten wir bisher allerdings nur von Bildern. Insofern war klar, dass wir unsere Bibliothek zu besichtigen hatten. Der Schulleiter organisierte dazu noch ein Sportfest.

Am 23.02.2018 machten wir uns also auf den Weg nach Kalawila. Da war ein großer Auflauf mit den Schülern vielen Eltern mit Geschwisterkindern und auch ein paar Offiziellen auf dem Schulgelände. Noch lief das Sportfest mit diversen Disziplinen und immer wieder Siegerehrungen, bei denen wir dann auch gleich aktiv wurden. Dann wurde noch die offizielle Eröffnung der Bibliothek durch uns ins Programm geschoben. Ein „rotes“ Band war zu durchschneiden und es konnte eine prächtige Bibliothek besichtigt werden. Großer Dank noch mal von Seiten der Schulleitung für unsere schnelle Hilfe. Inzwischen war das Sportfest fast beendet. Es stand nur noch eine Parade mit allen Teilnehmern des Schulfestes an. Für unsere Verhältnisse etwas militärisch organisiert, aber durchaus so üblich in Sri Lanka. Die Parade sollte von uns offiziell abgenommen werden. Also ab aufs Podest mit Jean Paul Pfister. Eine deutsch/französische Tat. Die historische Bedeutung blieb unseren Sri Lanka Freunden verborgen. Es war ein würdiger Abschluss einer weiteren guten Tat der Rosenkinder.

2.3. Maththaka School

Während unseres Aufenthaltes bewiesen wir dann noch unsere Entschlusskraft und schnelle Hilfe. Es gab eine Anfrage bei unserem Lions Club nach operativer Hilfe von einer Dorfschule im Landesinneren. Alle Kinder dort stammen vom Land mit Eltern aus der Landwirtschaft bzw. Teepflückern. Das bedeutet in Sri Lanka – vorwiegend sehr arm. Insofern gab es da für die Kinder latent die Notwendigkeit, Grundbedürfnisse zu erfüllen. Das bedeutete konkret eine Wunschliste von dieser Schule für rund 80 der insgesamt 120 Schüler/innen. Darauf waren enthalten:

  • Stoff für eine zweite Schuluniform – der Staat zahlt nur eine!
  • Unterwäsche – sicherlich ein Grundbedürfnis!
  • Schulrucksäcke von „addibas“– wunderbare Plagiate mit fast richtiger Beschriftung!
  • Gutscheine für Schuhe – nicht immer ausreichend vorhanden!
  • Und Schulhefte – Papier ist in Sri Lanka teuer!

Eine wunderbare Organisation der Schulleitung bzw. der Klassenlehrer für jedes der 80 Kinder das richtige und wichtigste zu selektieren. Wir hatten dann die Ehre, selbst die Geschenke den 80 dankbaren Kindern zu überreichen. Ein wunderbarer Vormittag, der nach der Veranstaltung auf dem Schulhof mit einem Ständchen der Mädchen für uns endete. Wir sangen auch schunkelnd „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Gut dass dies niemand verstand, aber diese Showeinlage fand viel Anklang.

2.4. Ampakamam School

Es war für uns eine Premiere in den Norden und Osten von Sri Lanka, dem ehemaligen Bürgerkriegsgebiet, zu fahren. Auch hatten wir uns vorgenommen, dort ebenfalls helfen zu wollen. Über unseren Lions Club Helfer Dooland war ein Kontakt bzw. ein Ziel entstanden. Dies stand am Anfang unserer Rundreise, die uns 1.800 km weit in Neuland für uns führte. Schon kurz hinter der uns zuvor schon bekannten heiligen Stadt Anuradnapura begann sich das Leben zu verändern. Hier war damals die Grenze zum Rebellengebiet. Die gut ausgebauten Straßen wurden leerer. Es gab fast nur Mopeds, Tuk-Tuks und öffentlich Busse. PKW‘s wurden Mangelware. Dafür eine große Dichte von Militärstützpunkten. Die Natur bekam Überhand, kaum noch die sonst üblichen Häuser und Geschäfte am Straßenrand. Auf solch einen Militärstützpunkt bzw. dem Wohnsitz des Colonels (Oberst) der Army fanden wir uns ein. Das war die Vermittlungsstelle. Wir fuhren dann durch ein Agrargebiet mit militärischer Begleitung ins Landesinnere. Sandwege, kaputte Brücken: also durchs Flussbett – bis wir zu der Dorfschule von Ampakamam kamen. 32 Schüler der Klassen 1 bis 5 werden hier von einem Schulleiter und 3 Lehrkräften unterrichtet. Die Schule ist 1942 entstanden und in einem sehr schlechten Zusttand. Außerdem befand sich eine Ruine aus der Bürgerkriegszeit auf dem Gelände. Wir nahmen erst mal Kontakt zu den Schülern auf, die anfangs sehr zurückhaltend waren. Mit kleinen Geschenken kamen wir allerdings gut an. Das Mobiliar war unzureichend und es gab viele bauliche Defizite: Kaputte WC-Türen, Löcher im Dach, kaputte Zwischendecken. Letzteres war das Werk von Affen, die durch das Dach eingedrungen waren und über Sprungübungen die Zwischendecke zerstört hatten. Der Brunnen war auch nicht zu gebrauchen. Auch ein Werk der Affen. Der Schulleiter war allerdings gut vorbereitet und hatte eine Liste mit seinen Wünschen an Gebäude und Inventar zur Hand. Wir gingen diese durch. Alles realistisch und kein Luxus, aber keine Preise. Wir gaben an, helfen zu wollen und wollten Kosten und mögliche Vorgehensweisen klären. Unser Empfinden hier vor Ort ließ auch keine Zweifel aufkommen. Wir verabschiedeten uns und fuhren ins Militärcamp zurück. Dort gab es für uns Lunch, in einer wirklich zu 100% anderen Welt. Schließlich fuhren wir weiter Richtung Norden. Auf zu neuen Erfahrungen und Erlebnissen für uns. Unser Freund Dooland übernahm es über seine Kontakte eine Preiskalkulation und eine Vorgehensweise zu recherchieren. Schon nach gut 2 Wochen hatten wir einen Kostenplan. Materialkosten rund 1.800 Euro, Arbeitslohn 800 Euro. Wir sollten das Material übernehmen, das Militär würde den Arbeitslohn zahlen oder selbst Hand anlegen. Das gefiel uns gut und wir baten um weitere Klärung, wie Zeitplan und Überwachung bzw. Zahlungsabwicklung. Dies läuft aktuell und wir hoffen sehr, dass wir dieses Vorhaben in diesem Jahr für die armen und kleinen Kinder in Ampakamam realisieren können. Dazu würde ich gerne bald berichten.

Resümee

Wie die Leser vielleicht bemerkt haben, die bis zum Ende meines diesjährigen Reise- bzw. Projektberichtes ausgehalten haben, ist in diesem Jahr eine ganze Menge passiert. Eigentlich hätte ich noch von einem Sportfest von ACBC in Colombo mit rund 500 Jungen und Mädchen aller 17 Children Homes berichten können, von zwei Treffen mit 2 Ministern/in bei Kotapola bzw. in Colombo, die sich sehr für unsere Projekte interessiert haben und, und, und………….. Bemerkenswert ist, dass es mir schwer fällt, wirklich etwas Negatives zu beschreiben. Kurz und gut – die diesjährige Reise war überaus positiv, die Eindrücke und insbesondere unsere Projekte betreffend. Eine solide Basis für unsere weitere Arbeit. Ob dann, nach unserer Rückkehr, die Ansprechpartner wieder in einen langen Erholungsschlaf fallen, weiß man nie. Allerdings sind die ersten Tage nach der Rückkehr schon mit viel Korrespondenz verbunden gewesen. Wem denn die Infos und die Bilder in dieser Mitgliederinformation noch nicht reichen und wer mehr erleben möchte, der sollte doch gerne am 6. Mai 2018 zu unserer Mitgliederversammlung kommen. Würde mich freuen.

Danke für die Aufmerksamkeit
Ihr / Euer

Dieter Kaske